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Samstag, 26. Juni 2004, 08:55

Da das Schützenfest ja nicht mehr ganz soweit weg ist, hier noch mal die
wichtigsten Regeln !!!

Das hört sich einfach an, isses aber nicht, weil beim Zeltsaufen gibt es
festgelegte Rituale, die man unbedingt beachten muss:

1. Ein Bier bestellen geht gar nicht. Damit sagt man, dass man ne
knickrige Sau ist, keine Freunde hat oder Antialkoholiker, quasi das
Allerletzte.

2. Also, immer mindestens zehn Stück, einen Meter oder ein ganzes
Tablett. Nie vorher abzählen, wie viel Leute um einen herumstehen und
dann genau die Anzahl bestellen.

Am besten irgendeine Zahl über die Theke grölen und ab dafür.

3. Ganz falsch: Die Umstehenden fragen, ob sie überhaupt noch ein Bier
haben wollen.

Wichtige Regel: gefragt wird nicht.

Saufen ist schließlich kein Spaß.

4. Wenn der Stoff da ist, nicht blöd rumgucken und überlegen, wem man denn
eins in die Hand drücken soll.

Am besten die Gläser wild in der Umgebung verteilen, denn nur so zeigt
man seine Großzügigkeit. Nur der kleinkarierte Pisser stellt sich da an.

5. Wer zahlt wann welche Runde?

In der Regel kommt jeder der Reihe nach dran.

Ganz miese Wichser saufen die ersten neun Runden an der Theke mit und
wenn sie an der Reihe wären, müssen sie plötzlich pissen.

Der erste Besteller bestimmt meist die Dauer des Projekts:
Wenn er zwölf Bier bestellt, müssen alle solange warten, bis zwölf
Runden durch sind.

Wichtig ist, dass der Strom nie abreißt.
Also, wenn alle noch die Hälfte im Glas haben, sofort die nächste

Runde ordern und das neue Glas in die Hand drücken.


Was voll peinlich ist:

Mit zwei Gläsern in der Hand an der Theke stehen, deshalb ist Tempo
angesagt beim reinschütten, ist
schließlich kein Kindergeburtstag.

6. Richtig fiese Schweine bestellen zwischendurch noch ne Runde Korn
oder die absolute Hölle \"Meyers Bitter\", eine Art grünes Schlangengift,
dass mit dem Eiter von toten Fröschen verfeinert wurde.

Hier wird\'s ernst.

Sollte sich so was andeuten, kann man bloß noch die Flucht ergreifen.

Merke: Biersaufen kann man überleben aufm Zeltfest mit etwas Planung und
Glück;

nach Meyers Bitter weigert sich sogar der
Notarzt, diese Schweinerei wieder zu beleben.

7. Konsequent durchgezogen, bist du normalerweise aufm Zelt um halb Neun
stramm wie die Kesselflicker.

Geht natürlich nicht,

weil du kannst ja noch nicht nach Hause, wegen Verdacht auf Weichei.

Was also dann? Pausen machen!

Dafür sind in der Regel 4 Sachen vorgesehen:

7.1 BRATWURSTFRESSEN:
Vorteil: an der Bude gibst kein Meyers Bitter, da bist Du also ne
zeitlang sicher vor der Alkoholvergiftung durch andere.

Nu sind die Bratwurststände auf Zeltfesten immer so konzipiert, dass die
Nachfrage immer größer ist als das Angebot. In der Bude arbeiten auch
meistens Fachkräfte, denen man beim Grillen die Schuhe besohlen kann.

Einzige Qualifikation: sie können mit einem Sauerstoffanteil in der Luft
von unter 1% überleben, deswegen wirken sie auch so scheintot.

Nu sagt der Laie: watn Scheiß, das könnte man doch viel besser
organisieren: zackzack kämen die Riemen übern Tresen.

Falsch: die mickrigen Bratwurstbuden mit den Untoten am Grillstehen da
nicht aus Versehen, sondern absichtlich. Hier kann man Asyl beantragen von
der Sauferei und je länger man auf den verkohlten Prengel warten muss,
desto größer die Überlebenschance.

7.2 TANZEN:
Im Vergleich zu Bratwurstfressen natürlich die schlechtere Wahl, weil
anstrengend und mit Frauen.

Aber irgendwann geht halt kein Riemen mehr rein in den Pansen und du
musst in den sauren Apfel beißen.

Also zack, einen Rochen von den Bänken gerissen
und irgendwie bescheuerte Bewegungen machen. Wenn Du Glück hast, spielt
die Kapelle mehr als zwei Stücke und du kannst Dir ein paar Bier ausser
Rippen schwitzen.

Hast Du Pech, kommt sofort nachm ersten Stück der Thekenmarsch und Du
stehst
wieder da, von wo du gerade geflohen bist.

7.3 SEKTBAR:
Eine richtig gruselige Bude, quasi die Abferkelbox im Festzelt.
Hier isses so voll und eng, hier bleibst Du auch noch stehen, wenn\'s
eigentlich nicht mehr geht.

Es soll schon Kriegsverletzte
gegeben haben, denen hat man in der Sektbar beide Beinprothesen geklaut
und sie haben’s nicht gemerkt. Doch der Preis, den du für die Stehhilfe
zahlst ist hoch:
Du musst Sekt saufen aus so mickrigen Blumenvasen, die man von der
Spermaprobe beim Urologen kennt.

Ziemlich eklig alles.

Wenn\'s keine Sektbar gibt, gibt\'s meist ne Cocktailbar: Cocktail
Fanta/Korn oder Korn mit Fanta.

Also vorsichtig!

Hier kann\'s ganz schnell zu Ende gehen.

Eine Alternative für den ganzen schnellen Weg ins Nirwana ist noch der
Hannoversche Zaubertrank:

Lüttje Lage.
Vom Preis-Leistungs-Verhältnis her immer noch ne reelle Sache:
So besäuft sich der kritische Verbraucher und hat es Ruckzuck
geschafft. Doch bevor Du nach Hause darfst, kommt noch ein ganz
wichtiger Punkt, nämlich...

7.4 KOTZEN:
Klingt scheiße, du wirst aber dankbar sein, wenn dein Körper, dir dieses
Geschenk bereitet. Du hast Platz für neue Bratwürste und vielleicht sogar
Glück, dass du die letzten zwanzig Bier noch erwischst, bevor sie Dein Gehirn
erreicht haben. Der Profi jedenfalls kotzt oft und gern.

So jetzt wären wir auch schon bald beim Nachhause gehen.

Haha.

Wenn du aber den Zeitpunkt verpasst hast, und du kommst vom Pissen oder
Bratwurstkotzen wieder ins Zelt und es sind bloß noch zwanzig Mann übrig.
Ätsch:

Arschkarte gezogen. Denn jetzt heißt es:

7.5 Die Letzten:
Ab jetzt geht es um so spannende Sachen wie Fassaussaufen -es ist immer
mehr drin, als du denkst, oder Absacker trinken,
wenn\'s ein Meyer\'s Bitter ist, kannst du dir gleich den Umweg über den
Notarzt sparen und den Bestatter anrufen.
Jeder passt jetzt auf, dass keiner heimlich abhaut. Die ersten sacken
einfach so vor der Theke zusammen, damit sie jedenfalls nicht noch mehr
saufen müssen.

Vorteil dieser Phase des Zeltfestes: Du musst nicht mehr extra mehr nach
draußen latschen für Pissen und Kotzen: geht jetzt alles vor Ort.

7.6 Nach Hause:
Fällt aus. Mach dir keine Illusionen: alleine schaffst du\'s nicht mehr,
Taxis gibst nicht aufm Land, und wenn, würden sie dich nicht mitnehmen.

Deine Frau kommt nicht, um dich zu holen, die ist froh,
dass dieses Wrack nicht inner Wohnung liegt und der Gestank in die Möbel
zieht. Was bleibt ist..

7.7 Der Morgen danach:
Die ersten Sonnenstrahlen brechen durch die Ritzen in der Festzeltplane.
Du wirst wach von einem Zungenkuss, wie du ihn noch nie in deinem Leben
gekriegt hast.

Leidenschaftlich küsst Du zurück.

Dann machst du deine verklebten Augen auf und blickst in das fröhliche
Gesicht des zottigen Köters von dem Karusselfritzen. Und mit einem
eigenen Beitrag zum Thema Würfelhusten fängt der Tag wieder an.

Dein Kopf fühlt sich an wie nach einem Steckschuss.

Jetzt hilft nur noch:

Stützbier bis die Maschine wieder halbwegs rund läuft.

Also.... Munter bleiben!